Freie Presse

Kantorin imitiert volles Orchester
Reichenbacher Orgelsommer:
Auftakt in der Trinitatiskirche mit „Peter und der Wolf“

Volker Müller

 

Reichenbach. Was wird heute nicht alles, damit es wichtiger scheint, gleich ein „Projekt“ genannt! Zum Auftakt des 20. Reichenbacher Orgelsommers am Montagabend in der Trinitatiskirche war etwas zu erleben, das zu Recht beansprucht, ein aufwändiges, gut geplantes Vorhaben zu sein. Immerhin wurden bei der gebotenen Version des musikalischen Märchens „Peter und der Wolf“ drei Künste und ein besonderes Instrument „eingespannt“.
Für den lebendigen Vortrag des Textes sorgte Hans-Christoph Michel von der HamburgerTheaterManufaktur. Zu hören war eine neuere Fassung von Loriot, in der der Wolf am Ende nicht in den Zoo, sondern wieder in den Wald kommt und die leichtsinnige Ente am Leben bleibt. Das Geschilderte wurde auch ins Bild gebracht. Auf einer Leinwand erschienen zupackende, Groß wie Klein erfreuende Illustrationen des Berliner Künstlers Mario Mensch.
Die Musik von Sergej Prokofjew schließlich war Sache von Christiane Hrasky, die nach ihrer Zeit an der Reichenbacher Trinitatiskirche (1996 bis 2001) seither als Kirchenmusikerin in Hamburg-Altona wirkt. Die von ihr exzellent gebotene Einrichtung für Orgel erreicht die Wirkung des Originals nicht ganz, hat aber ihren eigenen Reiz. So kommen etwa einige skurrile Basstöne, die im Orchester leicht „untergehen“, voll zum Tragen. Und manche der virtuosen Passagen klingen, da sie in zwei Händen liegen, die mit Sicherheit voneinander wissen, einen Hauch runder. Die Aufführung bedachten die rund 100 Besucher mit großem Beifall.
„Ich bin gerührt über die Anteilnahme. Und auch am Montagvormittag, als wir das Märchen vor Schülern aus Reichenbach und Neumark boten, fanden wir ein aufmerksames und dankbares Publikum. Da spürt man schon einen gewissen Unterschied zur Großstadt Hamburg“, meinte Christiane Hrasky am Montag und war auch gern bereit etwas über ihre Arbeit an der Paul-Gerhardt-Kirche in Altona zu sagen. Die Riesaerin vom Jahrgang 1970, die in Dresden und Freiburg/Breisgau studierte, füllt in dem 14 Kirchen beherbergenden Hamburger Stadtteil eine von acht Kirchenmusiker-Stellen aus. „Da bietet es sich an, dass man sich doch ein wenig spezialisiert. Ich habe mich vorwiegend der Chorarbeit zugewandt und zwei Kinderchöre, einen Kirchenchor und einen Kammerchor ins Leben gerufen. Bei den Programmen bemühe ich mich, unterschiedliche Ebenen der Kunst miteinander zu verbinden. So stand ein Abend unter dem Motto Mittelalter und Jazz, und auch Kabarett-Elemente spielten schon eine Rolle“. Ein Höhepunkt der kirchenmusikalischen Arbeit von Christiane Hrasky in Hamburg war die Aufführung der Johannes-Passion des zeitgenössischen estnischen Komponisten Arvo Part. Fürs kommende Jahr plant die Kantorin eine weitere Sachsen-Tournee, voraussichtlich wieder mit einem Musik-Projekt.